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Eigenschaften & Beschreibung

Peddigrohr – Das Handwerk des Flechtens

Wenn du einen Korb zwischen den Händen spürst – die sanfte Wölbung, die feinen, gleichmäßigen Reihen des Geflechts, die natürliche Wärme des Materials – dann hältst du eine Verbindung zu jahrtausendealten Handwerkstechniken. Peddigrohr ist genau das: ein Material, das Tradition und Gegenwart verbindet.

Peddigrohr ist das verarbeitete Kernrohr der Rattanpflanze. Aus den feuchten, dichten Wäldern Indonesiens kommen die besten Bestände – vor allem von den Inseln Borneo, Sulawesi und Sumbawa. Nach der Ernte wird die äußere Haut abgezogen, und der zähe, helle Kern wird durch messerscharfe Runddüsen gepresst. So entstehen die eleganten Röhrchen in unterschiedlichen Stärken: von hauchdünn (1,5 mm) bis massiv (6 mm). Jedes einzelne Röhrchen ist glatt, splitterfrei und bereit, deine Kreativität in Form zu bringen.

Warum Peddigrohr und nicht Weide? Der Unterschied liegt in der Konsistenz. Weiden sind wilder in ihrer Struktur, fasrig, lebendiger. Peddigrohr hingegen ist gleichmäßig, zahm, präzise – perfekt für Geflechte mit sauberen Linien. Es verzeiht Anfängern leicht, fordert aber auch Profis heraus, wenn es um komplexe Muster geht.

Arbeiten mit Peddigrohr

Die erste Regel lautet: nicht zu lange einweichen. Viele Anfänger denken, länger ist besser – falsch. Flechtfäden brauchen nur 10–20 Minuten in lauwarmem Wasser. Danach sind sie geschmeidig, ohne ihre natürliche Spannung zu verlieren. Die Staken (die vertikalen Struktur-Streben) brauchen noch weniger – gerade mal 5 Minuten, und auch nur das untere Drittel sollte ins Wasser. Warum? Weil zu lange Nässe dein Material grau färbt und spröde macht. Du wirst sehen, wenn es richtig ist: das Peddigrohr gleitet sanft in deine Hände, bricht nicht, wenn du es biegst.

Die klassischen Flechtechniken sind einfach zu verstehen. Die Staken – deine längslaufenden Fäden – bilden das Gerüst. Darumherum flechtest du die Fitze (die Flechtfäden) mit dem klassischen Muster: über zwei Staken, unter einen. Mit jedem Durchgang rund um den Korb entsteht eine textile Struktur, die der Natur abgeschaut ist – wie Flechtwerk in Vogelnestern, wie Baumrinde, die sich spiralförmig windet.

Du brauchst nicht viel: ein scharfes Messer, einen Pfriem (eine Ahle zum Weiten der Lücken), vielleicht eine Gartenschere. Spezialisierte Korbmacherwerkzeuge sind schön zu haben, aber am Anfang reichen die Basics. Wichtig ist die Geduld und die Aufmerksamkeit – jeder Fehler wird sichtbar, aber auch jeder gelungene Kniff.

Nach dem Flechten

Nach getaner Arbeit brauchst dein Korb Zeit. 24–48 Stunden an der Luft, bei normaler Raumtemperatur, ohne direkte Sonneneinstrahlung. Das Material trocknet, zieht sich zusammen und wird hart wie Holz – das ist normal und gewünscht. Bei größeren Projekten kann es 2–3 Tage dauern.

Kleine Geheimnisse für später: Wenn dein Korb Jahre später austrocknet und hart wirkt, reicht kurzes Besprühen mit Wasser oder ein paar Sekunden unter der Leitung. Die Flexibilität kommt zurück. Mit guter Lagerung (kühl, trocken, licht- und luftgeschützt) hält Peddigrohr bis zu 10 Jahren. Manches Material wird mit dem Alter noch schöner – die Farbe wird wärmer, die Risse erzählen von Benutzung.

Nachhaltigkeit

Rattan wächst schneller als fast jedes andere Naturmaterial. Was du heute erntest, regeneriert sich in 5–7 Jahren vollständig. Das Potenzial ist riesig – 70 % der weltweiten Bestände stehen in Indonesien. Das ist ein Segen und eine Verantwortung zugleich. Solange die Wälder geschützt bleiben, solange nicht zu schnell geerntet wird, ist Peddigrohr eine der nachhaltigsten Materialwahl für dein Handwerk.

Es braucht keine chemischen Bleachprozesse, keine giftigen Färbungen. Das naturhelle, cremeweiße bis honigbraune Peddigrohr, das zu dir kommt, ist bereits in seiner reinsten Form. Keine Tricks, kein Schnick-Schnack – nur Fasern, die in der Sonne gewachsen sind, geerntet, verarbeitet, gelernt haben, Formen anzunehmen.

Wenn du deinen ersten Korb in den Händen hältst – dein eigenes Werk, Stunde um Stunde, Reihe um Reihe – dann verstehst du, warum Korbflechten eine Kunst ist. Und warum Peddigrohr das perfekte Medium dafür ist.

Verarbeitung & Anwendung

Klassische Körbe & Geflechte

Von klein bis groß – Alltagskörbe, Aufbewahrung, rustikale Dekorationselemente. Peddigrohr ist deine erste Wahl für Anfänger und Profis.

Strukturkörbe & Dekorgeflechte

Kreative Wandhängungen, Windlichtkörbe, Blumenbinder und saisonale Gestecke mit sichtbarer Flechtstruktur.

Möbel & Sitzmöbel

Zeitlose Stühle, Sitzkissen-Untergestelle und Möbelbespannungen – Peddigrohr verbindet Funktion mit rustikalem Design.

Geschenkboxen & kleine Unikate

Handgefertigte Verpackungen für deine Produkte – jeder Korb ein Unikat, das Qualität ausstrahlt.

Lernmaterial für Workshops

Perfekt für Korbflechtkurse und Anfängerprojekte – vielfältige Stärken für unterschiedliche Schwierigkeitsgrade.

Nachhaltigkeit & Lagerung

Umweltverträglich

Rattan wächst extrem schnell – schon nach 5–7 Jahren vollständig regeneriert. 70 % der weltweiten Bestände finden sich in Indonesien. Die Nutzung ist nachhaltig, solange die Wälder geschützt bleiben. Kein chemischer Bleachprozess nötig – die natürliche Farbe ist pur und zeitlos.

Richtige Lagerung

Kühl, trocken, licht- und luftgeschützt lagern. Ideal: auf Haken aufgehängt oder in lockeren Bündeln. Bei guter Lagerung (keine Feuchtigkeit, wenig Licht) haltbar bis zu 10 Jahren. Vor Gebrauch einweichen, danach vollständig trocknen.

Häufig gestellte Fragen

Welche Stärken gibt es, und welche Durchmesser sind Standard?

Peddigrohr gibt es in Größen von 1,5 mm bis 6 mm. Die häufigsten Stärken sind #2 (1,75 mm), #3–#5 (2,4–4,25 mm) und #6–#8 (ab 5 mm). Dünnere Fäden (#1–#3) für Feinarbeiten, dickere (#5–#8) für Staken und Struktur. Faustregel: Die Staken sollten zwei Nummern dicker sein als die Flechtfäden.

Wie lange muss ich Peddigrohr einweichen?

Das kommt auf die Stärke und den Verwendungszweck an. Flechtfäden brauchen 10–20 Minuten in lauwarmem Wasser, damit sie geschmeidig bleiben und nicht reißen. Staken (die Struktur-Streben) nur 5 Minuten – und nur das untere Drittel ins Wasser tauchen. Warnung: Zu langes Einweichen (über 30 Minuten) macht Peddigrohr grau und spröde. Lieber öfter kurz anfeuchten.

Wie lange dauert es, bis das geflochtene Material trocken ist?

Nach dem Flechten sollte das Stück an der Luft 24–48 Stunden ruhen, je nach Größe, Material und Raumluftfeuchte. Kleine Teile wie Untersetzer sind nach 12–24 Stunden einsatzbereit, große Körbe brauchen 2–3 Tage. Idealerweise bei Raumtemperatur ohne direkte Sonne trocknen.

Welche Werkzeuge brauche ich zum Anfangen?

Ein scharfes, starres Messer (oder eine 'Hippe' mit gebogener Klinge) zum Schneiden, ein Pfriem (Ahle) zum Weiten der Flöche, eine Gartenschere zum sauberen Abschneiden und optional ein Schlageisen zum Formen. Für Anfänger reichen Messer + Pfriem völlig aus. Spezialisierte Korbmacherwerkzeuge findest du bei Fachhändlern.

Kann ich Peddigrohr später noch befeuchten, wenn es hart wird?

Ja, absolut! Wenn dein geflochtener Korb nach Monaten austrocknet und hart wirkt, kannst du ihn kurz mit lauwarmem Wasser besprühen oder für wenige Sekunden unter Wasser halten. Die Flexibilität kommt zurück, und du kannst ihn danach wieder trocknen. Das funktioniert sogar Jahre später noch.

Wie unterscheiden sich Flechtechniken – Fitze und Staken?

Die Staken (Längsfäden) bilden das Skelett des Korbs – sie geben Struktur und Stabilität. Die Fitze (oder Flechtfäden) werden rundherum durchgeflochten: über zwei Staken, unter einen – das schafft die klassische Webstruktur. Mit verschiedenen Mustern (Unterone, Überone, Zopfmuster) entstehen unterschiedliche optische Effekte. Anfänger starten mit einfacher Unterone-Überone-Technik.